Brockenbahn im Mai 2026 — die Saison-Eröffnung
HSB-Brockenbahn auf 19,1 km mit 540 m Höhendifferenz, 33 ‰ mittlerer Steigung und Spitzen-Steigung 60 ‰. Mai-Fahrplan mit zehn Zugpaaren, sieben betriebsfähigen BR 99.22 und drei Foto-Standpunkten an Schierke-Knick, Eckerlochbach und Brocken-Plateau.
Die Mai-Eröffnung im aktuellen Heft 11
Das aktuelle Heft 11 von SCHMALSPUR dokumentiert die Mai-Fahrt zum Brocken in einer Vollständigkeit, die in den Vorjahren nicht möglich war. Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) hat zum 1. Mai 2026 den Sommerfahrplan in Kraft gesetzt, und unsere Redaktion war bei den ersten drei Bergfahrten an Bord. Die Konstellation in diesem Frühjahr ist bemerkenswert: Sieben betriebsfähige Maschinen der Baureihe 99.22 stehen für die Brockenrampe zur Verfügung, das Wetter zeigte sich an den Eröffnungstagen ungewöhnlich stabil, und die Auslastung lag bereits am dritten Maiwochenende bei rund 800 Fahrgästen pro Tag — ein Wert, der typischerweise erst im Hochsommer erreicht wird.
Die Brockenbahn ist mit ihren 19,1 Kilometern zwischen Drei Annen Hohne und dem Brockenplateau die anspruchsvollste Steigungsstrecke der HSB. Auf 1.000 mm Spurweite werden 540 Höhenmeter überwunden, von 543 m ü. NHN am Knotenbahnhof Drei Annen Hohne bis auf 1.125 m ü. NHN am Brockenbahnhof. Die mittlere Steigung beträgt 33 ‰, die Spitzensteigung im Bereich der Eckerlochrampe erreicht 60 ‰. Diese Werte sind nicht nur betrieblich, sondern auch fototechnisch relevant: Die Brockenbahn ist eine der wenigen europäischen Adhäsionsbahnen, auf denen Dampflokomotiven über mehr als zehn Kilometer hinweg unter sichtbarer Volllast arbeiten.
Der Mai-Fahrplan im Detail
Der HSB-Fahrplan sieht im Mai 2026 zehn Zugpaare pro Tag zwischen Wernigerode und dem Brocken vor. Der erste Bergzug verlässt Wernigerode um 8:25 Uhr und erreicht den Brocken planmäßig um 10:23 Uhr. Die Fahrzeit beträgt damit knapp zwei Stunden, was bei den durchschnittlichen Talfahrtgeschwindigkeiten von 25 bis 30 km/h und den langsameren Bergfahrtwerten zwischen 14 und 22 km/h plausibel ist. Der letzte Brockenzug verlässt das Plateau um 16:40 Uhr und erreicht Wernigerode kurz vor 19 Uhr.
Zwischen diesen Eckpunkten fügt die HSB im aktuellen Mai 2026 zusätzliche Verstärkerzüge ein, die nur den Abschnitt Drei Annen Hohne–Brocken bedienen. Diese Verstärker werden mit jeweils einer BR 99.22 und vier bis fünf Wagen geführt; die durchgehenden Wernigerode-Brocken-Züge fahren regelmäßig mit sechs bis sieben Wagen, was die Maschinen an die Grenze ihrer Anhängelast bringt — auf 60 ‰ Spitzensteigung sind das je nach Quellenbasis 110 bis 130 Tonnen Anhängelast.
Die Fahrzeug-Konstellation im Mai 2026
Sieben Lokomotiven der Baureihe 99.22 sind nach den Hauptuntersuchungen des Winters 2025/26 betriebsfähig. Konkret sind dies die Maschinen 99 7232-4, 99 7233-2, 99 7234-0, 99 7235-7, 99 7236-5, 99 7239-9 und 99 7240-7. Zwei weitere Maschinen befinden sich im AW Meiningen, eine Lok dient als Heizlok auf dem Bahnhof Wernigerode. Die Achsfolge 1’E1 der BR 99.22 — eine Vorlaufachse, fünf gekuppelte Treibachsen, eine Nachlaufachse — wurde gezielt für genau dieses Streckenprofil entwickelt. Mit 700 PS Leistung, 14 bar Kesseldruck und einem Dienstgewicht von 65 t sind diese Maschinen die größten serienmäßig gebauten deutschen Schmalspurlokomotiven der 1.000-mm-Spur.
Die Wagengarnitur besteht im aktuellen Mai aus den modernisierten Stahlwagen der Bauarten 1990er und einigen historischen Plattformwagen, die für ausgewählte Sonderzüge bereitgehalten werden. Auffällig: Die HSB hat in der Wintersaison 2025/26 drei Wagen mit verglasten Aussichtsplattformen ausgestattet, die im aktuellen Heft 11 erstmals im Regelbetrieb laufen.
Die Streckenführung — Drei Annen Hohne bis Brocken
Vom Knotenbahnhof Drei Annen Hohne (543 m ü. NHN) führt die Strecke zunächst in einer langen, nach Norden gerichteten Schleife durch den Hochharzer Mischwald. Der erste markante Punkt ist Schierke (688 m ü. NHN), erreicht nach 8,5 km Fahrt. Hier liegt der berühmte Schierke-Knick, eine 90-Grad-Kehre, die den Zug nach Westen zur Eckerlochrampe lenkt.
Die Eckerlochrampe selbst ist mit 8,1 km der eigentliche Brockenanstieg. Auf diesem Abschnitt werden 437 Höhenmeter überwunden, mit Spitzensteigungen von 60 ‰. Die Trasse folgt zunächst dem Eckerloch, einem tief eingeschnittenen Bachtal, und führt dann in mehreren Kehren durch den Brockenwald nach oben. Der Wald geht ab 1.000 m ü. NHN in Knieholz und Brockenanemonen-Flächen über; das Brockenplateau selbst ist baumfrei.
Drei Foto-Standpunkte für die Mai-Fahrt
Im aktuellen Heft 11 dokumentieren wir drei Foto-Standpunkte, die wir während der Eröffnungswoche getestet haben.
Schierke-Knick — Der klassische Standpunkt für 100–400-mm-Telebrennweiten. Von der Brockenstraße aus erreicht man einen Aussichtspunkt etwa 50 m oberhalb der Bahntrasse, von dem aus die Lok in der 90-Grad-Kurve frontal-schräg zu sehen ist. Der Rauchabriss ist bei den Bergfahrten zwischen 9 und 11 Uhr optimal, weil die Sonne dann von Süden auf die Lok fällt. Tipp: 300 mm an APS-C oder Vollformat liefern einen Bildausschnitt, der Lokomotive plus drei Wagen geschlossen zeigt.
Eckerlochbach-Trasse — Der schwierigste, aber auch lohnendste Standpunkt. Vom Wanderweg zwischen Schierke und Brocken erreicht man nach etwa 25 Minuten Fußmarsch eine Lichtung, die direkt auf eine 60-‰-Rampe blickt. Hier arbeitet die BR 99.22 unter maximaler Last; die Auspuffschläge sind so deutlich, dass man die Zylinder einzeln zählen kann. Ideal sind 50–135 mm Normalbrennweite und ein quergestelltes Bildformat.
Brocken-Plateau — Der Ankunftspunkt mit Blick zurück über die letzten 200 m vor dem Brockenbahnhof. Bei klarer Sicht hat man den Brocken-Gipfel mit dem Sendeturm im Hintergrund. Geeignet sind Weitwinkel 24–35 mm und ruhige Komposition; der Rauchabriss ist auf dem flachen Plateau weniger spektakulär, dafür ist der Bildaufbau klassischer.
Ausblick auf Juni
Die HSB plant für Juni 2026 die Einführung eines elften Zugpaars an Samstagen, sofern die Personalsituation in der Lokleitung dies zulässt. Ein zusätzlicher Zug morgens um 6:55 Uhr ab Wernigerode soll Wanderer auf den Brocken befördern, bevor die Tagesbesucher anreisen. Wir werden im Juni-Heft berichten.