Heft 11 / Mai 2026
SCHMALSPUR
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Mecklenburg · 12 min

Rasender Roland Mai 2026 — der Fahrplan und die Foto-Standorte

Rügensche BäderBahn auf 24,1 km von Putbus über Binz, Sellin, Baabe nach Göhren, 750 mm Spurweite, Eröffnung 1895 bis 1899. Mai-Fahrplan mit 14 Zugpaaren in der Hauptsaison, drei betriebsfähigen BR 99.78, sechs Personenwagen und zwei klassischen Foto-Standorten an Strandallee Sellin und Mönchgut-Strecke.

Die Rügensche BäderBahn im aktuellen Mai 2026

Wenn im Mai die Saison auf Rügen beginnt, beginnt sie auch für den „Rasenden Roland”. Diese 24,1 km lange Schmalspurbahn auf 750 mm Spurweite verbindet seit 1895 die Inselgemeinden zwischen Putbus und Göhren miteinander. Im aktuellen Heft 11 dokumentiert SCHMALSPUR den Mai-Fahrplan 2026, den aktuellen Lokbestand und die beiden klassischen Foto-Standorte, die jede Eisenbahn-Foto-Sammlung zur Rügenschen BäderBahn enthalten muss.

Streckenführung und Geschichte

Die Strecke führt von Putbus — dem ehemaligen Residenzort der Fürsten zu Putbus — über die Ostseebäder Binz, Sellin und Baabe bis nach Göhren auf der Halbinsel Mönchgut. Die Streckenlänge beträgt 24,1 km. Die Spurweite von 750 mm entspricht dem sächsischen Schmalspur-Standard, der auch auf der Weißeritztalbahn und vielen anderen mitteldeutschen Schmalspurbahnen anzutreffen ist.

Eröffnet wurde die Strecke in zwei Etappen. Am 22. Juli 1895 ging der Abschnitt Putbus–Binz in Betrieb, am 1. Juli 1896 folgte die Verlängerung bis Sellin Ost, und am 18. Mai 1899 erreichte die Bahn schließlich Göhren. Die Eröffnung von 1895 bis 1899 spiegelt das damalige Boom-Tempo des Ostseebäder-Tourismus wider: Die Bäder wurden gerade erst entwickelt, die ersten Strandhotels entstanden, und die Bahnverbindung war essentiell, um Gäste vom Festlands-Fährhafen über die Insel zu transportieren.

Der Spitzname „Rasender Roland”

Der Spitzname „Rasender Roland” entstand bereits 1899, kurz nach der Eröffnung der letzten Etappe nach Göhren. Die zeitgenössischen Lokomotiven der Inselbahn — schmale, kleine Tenderlokomotiven der sächsischen Konstruktion — erreichten auf den geraden Streckenabschnitten zwischen Binz und Sellin durchaus 40 km/h, was im Kontext der bisherigen Pferdekutschen-Anreise als „rasend” empfunden wurde. Die Bezeichnung blieb haften und wurde im 20. Jahrhundert zum offiziellen Marketingnamen der Bahn.

Faktisch fährt der heutige Rasende Roland deutlich langsamer als 40 km/h. Die zugelassene Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 km/h, die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit liegt mit allen Halten bei rund 18 km/h. Eine durchgehende Fahrt von Putbus nach Göhren dauert mit dem Mai-Fahrplan 2026 in der Regel 75 Minuten — wer alle Stops als Wanderpausen nutzt, kann eine Tagesreise mit etwa vier Stunden Gesamt-Fahrzeit ab Putbus kalkulieren.

Der Mai-Fahrplan 2026

Im aktuellen Mai 2026 verkehrt der Rasende Roland mit 14 Zugpaaren pro Tag in der Hauptsaison (1. Mai bis 30. September). Der erste Zug ab Putbus fährt um 7:42 Uhr, der letzte Zug zurück ab Göhren um 19:35 Uhr. In den Sommermonaten Juli und August wird das Angebot auf 16 Zugpaare verdichtet, im Mai ist der 14-Paar-Takt das stabile Grundgerüst.

Die Bahn fährt im 60- bis 90-Minuten-Takt; der Takt ist nicht exakt regelmäßig, sondern an den Schiffsverkehr nach Rügen und den Anschluss zur DB-Strecke in Putbus angepasst. Im Mai 2026 verkehren zusätzlich Sonderzüge am Wochenende, die nur zwischen Sellin und Göhren pendeln und die starke Nachfrage in der zweiten Tageshälfte aufnehmen sollen.

Der Lokomotiv-Bestand

Im Mai 2026 verfügt die Rügensche BäderBahn (RüBB) über drei betriebsfähige Maschinen der Baureihe 99.78, die auch unter der parallel verwendeten Bezeichnung BR 99.4 in den Bestandslisten auftaucht. Die drei Maschinen sind: 99 4011-5, 99 4632-8 und 99 4633-6. Bauzeit aller drei Maschinen: 1953 bis 1955 in der LKM Babelsberg. Die Achsfolge ist 1’D1, das Dienstgewicht beträgt 48 t. Die Stundenleistung liegt bei 460 PS, der Kesseldruck bei 14 bar, die Höchstgeschwindigkeit bei 30 km/h.

Zwei weitere historische Lokomotiven — 99 4801-9 und 99 4802-7 aus den 1920er Jahren — sind betriebsfähig erhalten und werden im Mai 2026 für Sonderfahrten eingesetzt. Diese Maschinen fahren typischerweise an zwei bis drei Sonntagen pro Monat als historische Garnitur.

Der Wagen-Bestand

Sechs Personenwagen bilden den Stamm-Wagenpark der RüBB. Davon sind zwei historische Wagen aus den 1920er Jahren — Wagen 970-273 und 970-275 — mit offenen Plattformen und Holzbänken auf historischen Drehgestellen. Diese Wagen werden im Mai 2026 ausschließlich in der historischen Garnitur an Sonntagen eingesetzt.

Die vier modernen Wagen — 970-281 bis 970-284 — wurden zwischen 2012 und 2016 in der Waggonbau Halle-Ammendorf gefertigt und sind klimatisiert. Sie verfügen über 56 Sitzplätze pro Wagen, sind als 2.-Klasse-Wagen ausgeführt und tragen die typische dunkelrote RüBB-Lackierung mit cremefarbenen Zierstreifen.

Die regelmäßige Garnitur im Mai 2026 besteht aus einer BR 99.78 plus vier modernen Wagen — Gesamtgewicht etwa 95 t, was für die 30-km/h-Strecke gut handhabbar ist. Auf den Steigungs-Abschnitten zwischen Sellin Ost und Baabe — hier liegen die Spitzensteigungen bei 20 ‰ — arbeiten die Lokomotiven hörbar, was den Eisenbahn-Aufnahme-Wert dieser Abschnitte erheblich steigert.

Zwei klassische Foto-Standorte

Strandallee Sellin — Der berühmteste Foto-Standort der gesamten Rügenschen BäderBahn. Etwa 200 m östlich des Bahnhofs Sellin Ost passiert die Strecke parallel zur Strandallee. Hier kann die Lok mit Wagen vor der Kulisse der historischen Bäderarchitektur — weiße Holzhäuser im typischen Bäderstil der späten 1890er Jahre — fotografiert werden. Empfohlen sind 50 bis 85 mm Brennweite und ein Standpunkt vom gegenüberliegenden Bürgersteig. Die beste Lichtsituation ergibt sich in den Vormittagsstunden, wenn die Sonne aus Südosten auf die Architektur und den Zug fällt.

Mönchgut-Strecke — Der östliche Endabschnitt zwischen Baabe und Göhren führt durch das Naturschutzgebiet Mönchgut. Hier verläuft die Strecke teilweise auf Dämmen durch Moor- und Wiesenlandschaft, mit Ostsee-Sichtachsen an mehreren Stellen. Der klassische Standpunkt liegt etwa 1,2 km westlich des Bahnhofs Göhren, bei Kilometer 22,9. Vom Wanderweg aus hat man einen Blick auf die Strecke, die sich in einer langgezogenen Linkskurve durch eine baumlose Wiese windet. 100 bis 200 mm Telebrennweite und ein nachmittags-südwestliches Licht ergeben hier Bilder mit großer Tiefenwirkung.


Ressort: Mecklenburg